MDK fördert Patientensicherheit in Kooperation mit Kliniken

20. Mai 2015
Berlin

Aus Behandlungsfehlern lernen und damit künftige Fehler vermeiden - dieses Ziel verfolgen jetzt erste Berliner und Brandenburger Kliniken gemeinsam mit dem MDK. Basis der Zusammenarbeit sind die Behandlungsfehlergutachten des MDK.

"Der MDK Berlin-Brandenburg verfügt über tausendfache Erfahrungen aus der Begutachtung vermuteter Behandlungsfehler. Ich freue mich, dass die Ärzteschaft in unserer Region offen für einen Dialog zur Qualität mit dem MDK ist. Damit nutzen wir die Chance, menschliches Leid und finanziellen Schaden zu verhindern." Dies äußerte heute Dr. Axel Meeßen, Geschäftsführer des MDK Berlin-Brandenburg, im Rahmen eines Pressegespräches.

Meeßen weiter: "Seit 2014 werten wir alle bestätigten Behandlungsfehler ergänzend systematisch auf gehäuft auftretende Fehler oder fehleranfällige Prozessabläufe aus. Die Analyse zeigt, dass es besonders in den Prozessabläufen und in der Kommunikation zwischen den jeweils beteiligten Ärzten Möglichkeiten gibt, relativ schnell Verbesserungen in der medizinischen Versorgung zu erzielen."

Der MDK Berlin-Brandenburg begrüßt das zunehmende Interesse der Ärzteschaft an den Analysen des MDK. In mehreren Kliniken wurden in den vergangenen Monaten Fallkonferenzen mit dem MDK durchgeführt.

Für das Unfallkrankenhaus Berlin bestätigt dessen Ärztlicher Leiter Prof. Dr. Walter Schaffartzik das Potenzial der Zusammenarbeit mit dem MDK: "Mein Haus nutzt jede Chance, den Patientinnen und Patienten eine exzellente Versorgung zu bieten. Die Einbeziehung der MDK-Perspektive erweitert unseren Blickwinkel. Die systematischen Auswertungen des MDK sowie die Diskussionen an Fallbeispielen fließen direkt in das Qualitätsmanagement des Unfallkrankenhauses Berlin ein. Gleichzeitig ist der Dialog mit dem MDK auch ein Beitrag zur Förderung der Fehler- und Qualitätskultur in unserem Haus."

"Der Dialog mit der Ärzteschaft ist keine Einbahnstraße", betont Meeßen: "Zur wirklichen Qualitätspartnerschaft wird die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und MDK erst durch das gegenseitige Lernen. So freuen wir uns als MDK sehr darüber, wenn wir zur Qualität unserer Gutachten Rückmeldungen und Verbesserungshinweise erhalten, die wiederum in unser Qualitätsmanagement einfließen."

Der MDK Berlin-Brandenburg führte im Jahr 2014 über 1.700 Begutachtungen zu ärztlichen und pflegerischen Behandlungsfehlervorwürfen durch. In über einem Drittel der Fälle wurde der Verdacht bestätigt.

Bei den 1.759 im Jahr 2014 erstellten Gutachten (in 2013: 1.638) wurde in 666 Fällen (= 37,9%; in 2013: 38,5 %) eine fehlerhafte Behandlung aufgezeigt. In 30,8% (2013: 27,8%) der Fälle konnten die Fachgutachter auch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der bemängelten Behandlung und einem eingetretenen Körperschaden bestätigen.

Die meisten Vorwürfe treten in den operativen Fachgebieten auf, hier insbesondere in Orthopädie und Unfallchirurgie. Es folgen die Fachgebiete Chirurgie, Innere Medizin, Frauenheilkunde und Zahnheilkunde. Meeßen: "Fehler bei Operationen fallen naturgemäß schneller auf. Systematische Verbesserungsmöglichkeiten sehen wir allerdings weniger in den im Einzelfall auftretenden manuellen Missgeschicken. Vor allem das Komplikations- und Organisationsmanagement in der Versorgung bieten effektive Ansatzpunkte zur Verbesserung."

Meeßen betont abschließend: "Der MDK Berlin-Brandenburg ist offen für neue Qualitätspartnerschaften mit der Ärzteschaft. Die Etablierung wechselseitiger Lernprozesse schafft nicht nur einen Nutzen für die Beteiligten. Sie stärkt hierüber zudem die Patientensicherheit und die Solidargemeinschaft in unserer Region insgesamt."

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