MDK im Dialog mit Politik und Gesundheitswesen

11. Juli 2014
Potsdam


Blick auf das Podium des MDK-Dialoges

Der MDK im Dialog: Erfahrungsaustausch mit Politik und Repräsentanten aus dem Gesundheitswesen am 13. Juni 2014

Gesundheitspolitikerinnen und -politiker sowie Repräsentantinnen und Repräsentanten unseres Gesundheitswesens aus Berlin und Brandenburg trafen sich auf Einladung des MDK Berlin-Brandenburg, um sich über den MDK und seine Rolle im Gesundheits- und Sozialwesen auszutauschen.

Gabriela Leyh und Wolfgang Metschurat, alternierende Vorsitzende des Verwaltungsrates des MDK Berlin-Brandenburg, würdigten die Entwicklung des MDK seit seiner Gründung vor einem Vierteljahrhundert.  Der MDK sei heute ein leistungsstarker Dienstleister, der fachlich unabhängig und qualifiziert bundesweit jedes Jahr millionenfach dazu beitrage, dass Leistungsentscheidungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)  und in der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) fachlich abgesichert, an den Bedürfnissen der Versicherten orientiert und gesetzeskonform getroffen werden können. Es wurde herausgestellt, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Einwirkungsmöglichkeiten der Selbstverwaltung des MDK deutlich von denen in der GKV sowie der SPV unterscheiden. Zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Begutachtung ist der Verwaltungsrat des MDK für keine, die gutachterliche Arbeit betreffenden Entscheidungen zuständig. Vielmehr arbeiten die Gutachter ausschließlich auf Basis von Gesetzen und Begutachtungsrichtlinien.

Der MDK nehme vorgetragene Verbesserungswünsche sehr ernst. Ergäben  sich daraus doch immer wieder konkrete Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten in der Arbeit des MDK. Zudem könne der MDK seine Aufgaben nur dann erfüllen, wenn es gesellschaftliches Vertrauen in seine fachliche Qualität und Unabhängigkeit gebe.

Günter Baaske, Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg, äußerte grundsätzliche Zufriedenheit mit der Arbeit des MDK – nicht zuletzt aufgrund persönlicher Erfahrungen bei der Begleitung der MDK-Gutachter im Einsatz. Aus der Bevölkerung an ihn herangetragene Kritik am MDK beruht nach seiner Auffassung häufig auf Erwartungen der Versicherten, die der MDK aufgrund seines gesetzlichen Auftrages nicht immer erfüllen könne. Baaske bedauerte, dass die Transparenzkriterien, die im Internet nach den Qualitätsprüfungen der Pflegeeinrichtungen durch den MDK veröffentlicht werden, nach wie vor keine ausreichende Vergleichbarkeit der Pflegequalität in den Einrichtungen ermöglichen. Dafür könne man jedoch dem MDK, der für die Definition der Transparenzkriterien nicht verantwortlich sei, keinen Vorwurf machen.

Auch Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, sah unterschiedliche gesellschaftliche Wahrnehmungen des MDK. Während ihm in seiner Wahlkreisarbeit seitens der Bevölkerung manchmal Kritik entgegengebracht werde, sei die Wahrnehmung verschiedener Bereiche seiner Senatsverwaltung ausgesprochen positiv. Gleichwohl sprach sich Czaja dafür aus, dass mehr Transparenz über die Arbeit des MDK hergestellt werden sollte. Eine Veranstaltung wie die heutige zum Austausch unterschiedlicher Meinungen sei ein guter Beitrag hierfür. Czaja betonte ebenfalls die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der Transparenzkriterien für die Pflege-Qualitätsprüfungen und der möglichst baldigen Einführung des neuen differenzierteren Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

Baaske und Czaja würdigten die Bedeutung des MDK für diese und weitere Gebiete des Gesundheitswesens und ermunterten den MDK, der Öffentlichkeit seinen gesetzlichen Auftrag und seine gutachterliche Unabhängigkeit noch aktiver nahezubringen.

Thomas Meißner, Mitglied des Präsidiums des Deutschen Pflegerates, lenkte den Blick auf die symbolische Bedeutung dieser Veranstaltung. Sie verdeutliche die Bereitschaft des MDK, partnerschaftlich mit den anderen Akteuren im Gesundheitswesen in den Dialog zu treten. Diese positive Veränderung nehme er in den vergangenen Jahren deutlich wahr. Meißner rief den MDK dazu auf, diesen offenen Dialog zu grundsätzlichen Fragen auch in Richtung der Leistungserbringer, der Gesetzlichen Krankenkassen, der Politik und der Öffentlichkeit fortzusetzen. Es gehe dabei auch darum, die Misstrauenskultur in Deutschland zu einer Vertrauenskultur weiterzuentwickeln. Meißner erinnerte daran, welchen Schub die gesamte Pflegelandschaft durch die Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes erhalten habe und erkannte an, dass der MDK in bislang einmaliger Weise Fachpflegekräfte erfolgreich als Gutachter etabliert habe. Der MDK Berlin-Brandenburg sei hier Vorreiter gewesen.

Karin Stötzner, Patientenbeauftragte für Berlin, nahm beim Blick auf den MDK drei Perspektiven ein. Sie berichtete einerseits für das Amt der Patientenbeauftragten von einer sehr guten Zusammenarbeit mit den MDK. Gleichzeitig verwies sie vor dem Hintergrund der an sie gerichteten Beschwerden von Versicherten über den MDK auf Verbesserungsmöglichkeiten. Es gebe bei manchen Versicherten Zweifel an der Unabhängigkeit des MDK und es sei der Wunsch spürbar, umfassender und verständlicher über den MDK informiert zu werden. Die dritte Sichtweise auf den MDK war die Perspektive der Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten, die sich einen sinnvollen Umgang mit ihren Beiträgen wünscht. Der MDK müsse hier seine Prüf- und Kontrollfunktion gerecht wahrnehmen und  wesentlich transparenter gestaltet werden. Darüber hinaus wünscht sich die Patientenbeauftragte eine stärkere Rolle für den MDK in der Qualitätsdiskussion im Gesundheitswesen.  Das Wissen aus Prüfungen und Gutachten muss im Sinne der Patienten für Strukturverbesserungen besser genutzt werden.

Dr. Detlef Troppens, Vorstandsvorsitzender der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg, hatte zum persönlichen Umgang mit den Ärzten des MDK Gutes zu berichten. Der Respekt sei im kollegialen Dialog gegeben und die Notwendigkeit des MDK im Gesundheitssystem werde nicht infrage gestellt. Sein Hauptaugenmerk richtete Troppens auf strukturelle Fehlanreize im Gesundheitswesen. Für diese seien weder die Krankenhäuser, noch die Krankenkassen oder der MDK verantwortlich zu machen. Er schlug vor, die MDK-Prüfungen zur stationären Verweildauer sowie zur Frage der ambulanten/stationären Behandlung zu reduzieren. Erreicht werden könne dies beispielsweise mit entsprechenden Katalogen stringenter definierter Leistungsvorgaben. Aufgrund derer könnte das Personal der Krankenhäuser und des MDK sinnvoller eingesetzt werden. Darüber hinaus stellte Troppens die Frage, ob es nicht in manchen Fällen auch sinnvoll sein könnte, zu prüfen, ob ein Patient möglicherweise zu wenig Leistungen erhalten hat.

Dr. Axel Meeßen, Geschäftsführer des MDK Berlin-Brandenburg, hob den Anspruch des MDK Berlin-Brandenburg hervor, die Gerechtigkeit im deutschen Sozialsystem mithilfe einer hohen Qualität der Begutachtung zu fördern. Die Finanzierung des MDK per Umlage sei auch künftig eine entscheidende Voraussetzung für die fachliche Unabhängigkeit des MDK. Es sei wichtig für den MDK, die Kommunikation mit den Versicherten stärker in den Blick zu nehmen. Gegenwärtig laufe beispielsweise erstmals bundesweit die repräsentative Befragung von Versicherten nach einer Pflegebegutachtung. Die Ergebnisse würden im kommenden Frühjahr auf den Internetseiten der Medizinischen Dienste veröffentlicht werden. Der MDK Berlin-Brandenburg gehe auch auf die Leistungserbringer zu, um die Prozesse der Begutachtung nachvollziehbarer zu machen.

In diesem Sinne, so Meeßen, werde der MDK seinen Weg der Qualität und Transparenz fortsetzen.

 

Foto: Nils Bornemann